Ihr RAID sollte Sie zumindest vor dem Ausfall einer Festplatte schützen (Ausnahme: RAID0); je nach Konfiguration können sogar mehrere Festplatten ausfallen; Doch wie geht man im Ernstfall vor, wenn dieses Szenario tatsächlich auftritt?
Viele Kunden sind mit der Situation erst einmal überfordert. Natürlich wird beim Kauf eines Netzwerkspeichers darauf geachtet, dass RAID unterstützt wird – sind doch Festplatten genau so wie Lüfter mechanische Teile und unterliegen daher einem erhöhtem Verschleiß. Fällt dann aber tatsächlich eine Platte aus, bricht oftmals Panik aus.
Wenn Ihr RAID „degraded“ (nicht vollständig) ist, empfehlen wir folgende Vorgehensweise:
Schritt 1: Ruhe bewahren. Noch sind Ihre Daten vorhanden. Ein Rebuild (das Wiederherstellen) des RAID ist aber immer mit Risiken verbunden. Daher sichern Sie am Besten alle wirklich wichtigen Daten, für die noch kein Backup vorhanden ist, auf eine externe Festplatte oder per Netzwerk auf Ihren Rechner.
Schritt 2: Oftmals fällt eine Festplatte ohne von außen erkennbaren Grund aus dem RAID. Zum Beispiel könnte des Aufwachen aus dem Sleep-Modus zu lange gedauert haben oder ein Lesefehler aufgetreten sein. Wenn Sie ein Gerät mit HotSwap besitzen, ziehen Sie die als defekt markierte Festplatte raus und stecken diese nach einer Wartezeit von ca. 60 Sekunden wieder ins Gerät. Wenn ihr NAS nun automatisch den Rebuild startet, warten Sie bis der Vorgang vollständig abgeschlossen ist. Wer keinen Netzwerkspeicher mit HotSwap besitzt, kann statt dessen einen Neustart OHNE Festplatten versuchen und selbige anschließend wieder in der richtigen Reihenfolge einbauen.
Schritt 3: Egal ob das RAID auf diese Art repariert werden konnte oder nicht: Öffnen Sie das Webinterface und checken sie die SMART-Werte der vermeintlich defekten Platte. Wo Sie diese Werte finden, beschriebt das Handbuch Ihres Netzwerkspeichers. Wenn der Wert bei „reallocated sectors“ größer als 10 ist, sollte die Festplatte getauscht werden. Auch ein hoher Wert (über 50) unter „pending sectors“ (manchmal auch „hängende Sektoren“) weist auf einen Hardware-Defekt hin. Sind die Werte in Ordnung, können Besitzer eines NAS von QNAP oder Synology auch noch den SMART-Test durchführen, nachdem ebenfalls noch einmal die Werte überprüft werden sollten. Sind die Werte nicht akzeptabel, sollten Sie die Festplatte reklamieren. Während der Reklamation empfehlen wir Ihnen, eine Ersatzfestplatte einzubauen.
Anmerkung: Wenn die Festplatte klickt (Beispiele, wie sich das anhört, finden Sie hier) oder gar nicht mehr erkannt wird (auch nicht am PC) ist sie natürlich ebenfalls defekt und wird Ihnen im Rahmen Ihrer Garantie oder Gewährleistung, sofern noch gültig, ersetzt!
Schritt 4: Sind die Werte in Ordnung, bauen Sie die Platte am besten erst einmal aus dem Netzwerkspeicher aus. Anschließend schließen Sie die Festplatte an einen PC oder Mac an, mit dem sie die Platte wahlweise komplett formatieren oder die Partitionstabelle löschen. Jetzt müsste der Netzwerkspeicher die Festplatte als leer erkennen und diese automatisch ins RAID integrieren. Klappt das nicht, müssen Sie die Platte manuell ins RAID bringen: In der Speicherverwaltung im Webinterface können Sie das Laufwerk einfach wieder dem RAID-Verbund zuordnen.
Wichtig: Sollte der Rebuild bei Schritt 2 oder 4 scheitern, liegt wahrscheinlich ein I/O-Error vor, ein nahezu sicherer Indikator für einen Hardwaredefekt. Wenn das RAID dabei komplett zerstört wird, sind weitere Platten defekt.
Bitte seien Sie sich bewusst, dass RAID nur der Reduzierung von Ausfallzeiten dient und in keinem Fall ein Backup ersetzt! Ihre Daten können durch Virenbefall, Softwarefehler, versehentliches Löschen, Diebstahl und vielen weitere Ursachen genauso wie durch einen irreparablen Schaden am RAID verloren gehen. Viel zu oft wird das RAID leider fälschlicherweise als Non-Plus-Ultra-Lösung angepriesen, so dass viele Kunden vollständig auf Backups verzichten. Lassen Sie es nicht so weit kommen: Regelmäßige Backups begrenzen den Schaden in jedem erdenklichen Szenario!

