Besonders für die Kunden, die trotz des derzeit durchgehend schlechten Wetters den Weg in unser Geschäft in Ilmenau gefunden haben, ohne vorher im Shop zu stöbern, ist eine Rückfrage immer besonders ungewohnt: “Was denn für ein Kabel?”. Für den Kunden ist natürlich klar was er sucht: Netzwerkkabel, 25 Meter, Farbe egal.
Wir führen in unserem Shop aber jede Menge verschiedene Kabel für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke im Netzwerk. Welches Kabel nun benötigt wird, hängt also von vielen Faktoren ab; das falsche Kabel lässt sich unter Umständen nicht montieren oder funktioniert einfach nicht richtig:
1. Der Einsatzzweck
Hier gibt es grundsätzlich 2 verschiedene Typen zur Auswahl:
flexibles “Patchkabel” ist die wohl bekannteste Form, die unter anderem dafür verwendet wird, den eigenen Rechner mit dem Netzwerkswitch oder Router zu verbinden. Patchkabel bestehen intern aus Litze, also vielen kleinen Drähten, die nicht für die Hausinstallation (also das Anschließen von Netzwerkdosen) geeignet sind. Neben Patchkabel gibt es dann noch so genanntes “Cross-Over-Kabel”, eine in 10/100-Mbit Umgebungen noch häufig anzutreffende Form von Kabeln, die dazu verwendet wurde, PCs mit PCs oder Hubs mit Hubs zu verbinden. Der Grund hierfür war, dass auf einem Adernpaar gesendet und auf dem anderen empfangen worden ist, so dass die Adernpaare in der Mitte “über Kreuz getauscht” werden mussten, wenn beide Geräte davon ausgehen, vom gleichen Typ zu sein. Moderne Geräte, die Gigabit unterstützen, unterstützen auch Auto-Negotiation (das automatische Aushandeln, auf welchem Adernpaar gesendet und auf welchem empfangen wird). Dieser Typ ist somit in Neuinstallationen eigentlich überflüssig und verschwindet mehr und mehr vom Markt. Wenn Sie Gigabit einsetzen, ist es also egal, ob Sie Cross-Over- oder Patchkabel verwenden. Obwohl diese Kabel als Meterware verkauft werden, ist die gängige Form hier das vorkonfektionierte Kabel, fertig mit Steckern und in den “üblichen” Längen.
starres “Verlegekabel” wird verwendet, um in der Hausinstallation Netzwerkdosen oder Patchpanels anzuschließen! Meistens wird es unterputz oder im Kabelkanal verlegt. Diese Kabel bestehen aus Massivdraht, der sich mit dem passenden Werkzeug sehr einfach und sicher montieren lässt. Dafür sind sie für die Montage von Netzwerksteckern ungeeignet und werden nur als Meterware oder als Rolle verkauft.
2. Die Geschwindigkeit
Für eine Neuinstallation ist im Heim- und Bürobereich derzeit nur Gigabit eine sinnvolle Basis: Fast Ethernet (100Mbit) ist einfach zu langsam (Datenübertragungsraten von ~12 MB/s) und 10GbE übermäßig teuer und kaum unterstützt. Allerdings kann es durchaus sinnvoll sein, den Dateiserver im Büro über einen 10GbE-Uplink zu betreiben. Alle verbreiteten Netzwerkkabel unterstützen Gigabit, so dass für den Anschluss des eigenen Rechners eigentlich jedes Kabel verwendet werden kann.
“Cat5e” ist für die Übertragung mit Bandbreiten von bis zu 100 MHz geeignet und damit für Gigabit völlig ausreichend.
“Cat6″ ist für Bandbreiten bis 250 MHz geeignet und bietet somit für 10GbE eigentlich nicht genug Bandbreite. Für kurze Stecken ist die Übertragung von 10GbE zwar möglich, aber nicht empfehlenswert. Dafür ist Cat6 aber besonders beliebt, um bei normaler Gigabit-Geschwindigkeit lange Strecken ohne Leistungsverlust zu überwinden.
“Cat6a” bietet eine stabile Bandbreite von 500 MHz. Das reicht zwar rechnerisch auch noch nicht für 10GbE (laut Standard 650 MHz), kann aber für “kurze” Stecken (bis ca. 30m) dafür verwendet werden. Auf dem Kabel tritt zwar ein Leistungsverlust auf, dieser ist aber bei weniger als 30m noch so klein, dass immer noch ein ausreichend starkes Signal ankommt.
“Cat7″ bietet 600 MHz Bandbreite, Cat7a sogar 1000 MHz. Leider ist Cat7 der erste Standard, bei dem nicht mehr der bekannte RJ-45 Stecker eingesetzt werden kann, da dieser bauartbedingt nicht für derart hohe Frequenzen verwendbar ist. Bis eine nennenswerte Produktpalette mit den neuen Steckern verfügbar ist, verkaufen wir keine Cat7-Patchkabel. Allerdings haben wir bereits Cat7-Verlegekabel im Angebot, die wir auch für die Hausinstallation empfehlen. Wenn 10GbE erstmal in den Massenmarkt eingedrungen ist, müssen für ein Upgrade keine neuen Kabel verlegt sondern nur die Netzwerkdosen getauscht werden.
3. Die Technologie:
Für den Endkunden ohne Kentnisse der Elektrotechnik eher uninteressant, aber auf dem Markt immer häufiger anzutreffen sind außerdem weitere Abkürzungen für die verwendete Technologie, z.B. “S/FTP”. Der Buchstabe vor dem “/” oder “-” steht für die Abschirmung nach draußen, der Buchstabe dahinter für die Abschirmung der einzelnen Adernpaare. Die letzen beiden Bustaben sind heute immer “TP” und stehen für “twisted pair”, also paarweise verdrillte Hin- und Rückleitungen.
Beispielsweise steht “S/FTP” für “screened foiled shielded twisted pair” und beschreibt ein Kabel, dessen verdrillte Adernpaare mittels einer Metallfolie gegeneinander abgeschirmt sind und das außerdem unter der Isolierung noch einmal über eine Abschirmung aus Drahtgeflecht verfügt. Das hört sich zwar hochwertig an, bietet dem Endkunden aber genau so viel Information, wie dass ein Intel Core i7 in 32nm-Technologie gefertigt wird. Verlassen Sie sich in diesem Fall lieber auf die unterstütze Bandbreite. Sollten Sie Ihr Netzwerkkabel unter elektrisch besonders schwierigen Fällen (z.B. im Kabelkanal direkt neben stark belasteten Stromkabeln) einsetzen wollen, empfehlen wir im Zweifelsfall S/FTP.
4. Die Länge:
Die oben genannten Werte für die Bandbreite wurden auf der Standardkonfiguration “5m Patchkabel – Netzwerkdose – 90m Verlegekabel – Netzwerkdose – 5m Patchkabel” ermittelt. Da Patchkabel messbar schlechtere elektrische Eigenschaften als Verlegekabel besitzen, können Sie nicht davon ausgehen, mit sehr langen Patchkabeln hervorragende Ergebnisse zu erzielen. Darüber hinaus entstehen an Netzwerkdosen Kontaktwiderstände, die im Zweifelsfall auch nicht vernachlässigt werden dürfen. Besonders anfällig hierfür sind die gerne verwendeten Kupplung-Kupplung-Adapter zum Zusammenstecken von 2 Netzwerkkabeln.
Wenn Sie also lange Patchkabel und/oder viele Netzwerkdosen auf einer Strecke von über 50m einsetzen wollen, sollten Sie entweder bessere Kabel (Cat6a statt Cat5e) verwenden oder Switches zum auffrischen des Signals auf halber Strecke einplanen. Strecken unter 50m funktionieren bei Gigabit in aller Regel problemlos, also keine Panik!
Wer sich hierüber hinaus über Netzwerkkabel informieren möchte, findet auf der Wikipedia-Seite “Twisted-Pair-Kabel” weiterführende Informationen. Natürlich helfen wir Ihnen auch gerne telefonisch oder per Email bei der Planung Ihres Netzwerks.
Verlegekabel finden Sie bei uns im Shop.
Patchkabel (Cat6a) finden Sie ebenfalls bei uns.